Wenn Pflege zur Last wird: So schaffen Sie sich Freiräume & Entlastung

Wenn Pflege zur Last wird: So schaffen Sie sich Freiräume & Entlastung

Menschen zu pflegen bedeutet oft an seine Grenzen zu stoßen. Hier müssen Sie rechtzeitig die Reißleine ziehen und nicht nur an andere, sondern auch an sich denken.

Familienangehörige pflegen

Im Dezember 2013 waren laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 2,63 Millionen Menschen pflegebedürftig. Davon wurden etwa 71 Prozent zu Hause versorgt. Und das, obwohl viele eigentlich gar nicht so recht damit klar kommen. Wird die Mutter, der Vater, das eigene Kind oder der Ehepartner zum Pflegefall, sehen sich die meisten jedoch in der Pflicht die Pflege selbst in die Hand zu nehmen. Sie wollen sich selbst um ihre Liebsten kümmern und besonders bei den Eltern auch oft etwas von dem zurückgeben, was sie von ihnen bekommen haben. Und das auch, obwohl sie mit der Situation psychisch oftmals gar nicht klar kommen.

Harte Arbeit, auch für die Seele

Doch oft ist es gar nicht die Situation an sich, dass ein Angehöriger gepflegt werden muss, die die Pflegenden belastet. Einfach zu sehen, wie sehr dieser nun auf die Pflege angewiesen ist und mitzubekommen, dass er selbst wütend darüber ist, nagt an den meisten. Kommt dann noch das Problem dazu, dass der pflegende Angehörige Arbeit und Pflege unter einen Hut bekommen muss, ist es meist schon vorauszusehen, dass er irgendwann an seine körperliche und psychische Grenze treten wird. Hier müssen Sie also schon rechtzeitig die Reißleine ziehen, denn häufig geraten Pflegende in eine Spirale aus Überforderung, Frustration und sozialer Isolation. Sie müssen nicht nur immer an Ihren Angehörigen denken, sondern auch an sich selbst. Ansonsten könnten Sie irgendwann an der Belastung zusammenbrechen.

Hilfe für Helfer – Tipps, die Ihr Leben leichter machen

Um dieser Gefahr aus dem Weg zu gehen, habe wir 4 Tipps für Sie zusammengefasst, die Sie unbedingt beherzigen sollten. Es bringt immerhin auch Ihren Familienangehörigen nichts, wenn Sie sich zwar zur Pflege bereiterklären, dann aber unter der Last der Aufgaben zusammenbrechen.

Tipp 1: Hilfsangebote nutzen

In die Situation, von heute auf morgen ein Pfleger zu sein, rutschen die meisten oftmals sehr unerwartet. Dementsprechend bleibt auch nicht die Zeit, sich darauf vorzubereiten. Hier kann es deshalb gut sein, zu wissen, dass z.B. viele Krankenkassen (wie z.B. die AOK) und auch das Deutsche Rote Kreuz unterstützende Angebote zur körperlichen und psychischen Entlastung anbieten. Dabei handelt es sich meist um Kurse, die:

  • Hinweise zu den pflegerischen Techniken geben
  • zeigen, wie Sie z.B. mit Demenzkranken umgehen
  • Tipps geben, wie Sie als Pflegender dem Alltag entfliehen können
  • u.v.m.

Hier erhalten Sie in der Regel auch wichtige Informationen rund um die Themen Versicherungsschutz, Pflegezeitgesetz, Erbrecht, Betreuungsrecht und Leistungen der Sozialversicherung. Informieren Sie sich also einfach mal bei Ihrer Krankenkasse, ob diese auch Pflegekurse anbietet. In der Regel sind diese für die Versicherten immer kostenlos.

Tipp 2: häusliche Pflege trotz Fulltime-Job

Den Job und die Betreuung eines Familienmitgliedes unter einen Hut zu bringen, ist das wohl größte Problem, dass es zu meistern gilt. Es besteht zwar die Möglichkeit die Arbeit bis zu 24 Monate auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, dennoch werden Sie sicherlich sowohl körperliche als auch psychische Folgen spüren. Die Pflege an sich wird sehr an Ihren Kräften zehren – dann noch einen klaren Kopf auf der Arbeit zu behalten, ist fast schon ein Wunderwerk. Denken Sie also ruhig darüber nach, ob es nicht besser wäre, eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch zu nehmen. Manchmal kann es aber auch schon ausreichen, wenn Sie einfach nur eine Haushaltshilfe zur Unterstützung anfordern. So können Sie sich ganz und gar auf die Pflege konzentrieren, ohne dass dabei der Haushalt auf der Strecke bleibt. Was Sie im Endeffekt in Anspruch nehmen, müssen Sie selbst entscheiden.

Tipp 3: Freiräume schaffen

Auch wenn Sie tagtäglich für Ihren Angehörigen da sein möchten, ist es dennoch wichtig, dass Sie sich Freiräume schaffen, um Abstand zu gewinnen. Ein paar Stunden einfach nur mal den Kopf frei kriegen, ist wichtig, um nicht an der Belastung zu scheitern. Sie dürfen auf keinen Fall nur an den Pflegebedürftigen denken. Sie müssen auch an sich selbst denken. Sie gehen sonst irgendwann an der Situation kaputt. Stichwort Burnout. Die meisten merken erst, dass sie eine Auszeit brauchen, wenn es zu spät ist. Also versuchen Sie schon von Anfang an Zeit für sich einzuplanen. Gehen Sie z.B. regelmäßig zum Sport oder treffen Sie sich mit Freunden.

Tipp
Es ist ganz normal, dass Sie emotional an den Rand Ihrer Kräfte treten. Das Wichtigste ist dann nur, dass Sie mit dem Pflegebedürftigen über all Ihre und deren Sorgen und Ängste reden.

Tipp 4: reden, reden, reden

Der Pflegebedürftige reagiert möglicherweise mit Verzweiflung oder Wut auf seine Erkrankung und die daraus resultierende Pflegebedürftigkeit. Und genau diese werden Sie sicherlich auch zu spüren bekommen. Sei es nun in Form von Gereiztheit, Sturheit oder auch in Form von Schuldgefühlen. Und diese wiederum kann zwei Seiten haben. So kann der Pflegebedürftige z.B. selber Schuldgefühle haben, weil er Ihnen zur Last fällt, oder Ihnen aber auch Schuldgefühle machen. Das ist z.B. häufig der Fall, wenn Kinder ihre Eltern pflegen. Diese meinen dann oft sagen zu müssen, wie viel sie doch früher selber für die Kinder getan haben. Auf der anderen Seite können aber auch Sie mit Verzweiflung oder Wut auf die Situation reagieren. Reden Sie sich dann aber auf keinen Fall ein, dass Sie ein schlechter Mensch sind.

Sie können sich aber auch an eine Selbsthilfegruppe wenden. So eine Gruppe bietet die Möglichkeit, mit anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Pflegesituation befinden, auszutauschen. Zu hören, dass andere Menschen ähnlich empfinden und reagieren, kann Sie entlasten. Außerdem bekommen Sie hier meist auch noch Tipps, was Sie besser machen können.

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