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Tics bei Kindern: Das müssen Sie über die Tic-Störungen wissen

Tics bei Kindern: Das müssen Sie über die Tic-Störungen wissen

Räuspern, Zwinkern, mit den Schultern zucken: Solche oder ähnliche Tics sind bei Kindern weit verbreitet. Meistens beginnt es ganz plötzlich. Wie aus dem Nichts fängt der Nachwuchs an, Tics zu entwickeln. Das wirkt auf Eltern sehr befremdlich und macht Angst. Viele Eltern fragen sich deshalb, ob die Tics bei Kindern normal oder doch ein Fall für den Arzt sind. Wir erklären Ihnen, was Tics sind, wie es dazu kommt und wie Sie am besten damit umgehen.


1. Man unterscheidet zwischen den Ticstörungen

Ein Tic ist ein Krankheitssymptom, das sich durch motorische Zwänge auszeichnet. Es handelt sich meistens um unbewusste, kurze und teilweise auch komplexe Kontraktionen von einzelnen Muskeln sowie Muskelgruppen. Nervöse Bewegungen wirken auf Außenstehende sehr befremdlich. Alternativ besteht der Tic aus unkontrollierten Lautäußerungen. Es wird generell zwischen einfachen und komplexen Tics unterschieden.

  • Einfache Tics:
    Motorische Tics sind beispielsweise Augenblinzeln, Augenrollen, Augenzwinkern, Kopfschütteln, Grimassen, Kopfnicken oder Stirnrunzeln. Bei den vokalen Tics sind Schnäuzen, Bellen, Spucken, Hüsteln oder Räuspern sehr weit verbreitet. Dazu kommen dann noch laute Atemgeräusche.
  • Komplexe Tics:
    Unter komplexen Tics versteht man im motorischen Bereich die auffälligeren Zwänge wie Beißen, Klopfen, Schlagen, Stampfen oder Hüpfen. Vokale Ticks sind ebenfalls wesentlich dominanter. Kinder schreien, pfeifen oder summen.

Das Problem bei Tics liegt darin, dass sie nicht unterdrückt werden können. Wenn der Betroffene in der Lage ist, einen Tic zu vermeiden, dann ist das auch nur für eine kurze Dauer möglich. In vielen Fällen entladen sich die Tics in einem unbeobachteten Moment umso schlimmer und intensiver.

Hinweis: Alternativ kann man Tics auch mit ck, also Ticks, schreiben. An der Aussprache ändert sich nichts. Letztere Form ist jedoch unüblich geworden.

2. Warum entstehen Tics bei Kindern – die Ursachen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie geht davon aus, dass in etwa 15 Prozent aller Kinder unter Tic-Störungen leiden. Das bedeutet, dass sie nicht an einen Zweck gebundene Lautäußerungen oder Bewegungen zeigen. Weit verbreitet sind die Störungen zwischen 6 bis 14 Jahre. Wobei Jungen durchschnittlich 3-mal häufiger als Mädchen betroffen sind.

Warum Tics bei Kindern entstehen, ist bislang jedoch noch nicht klar. Auslöser und Ursachen sind im Regelfall sehr individuell und daher können pauschale Aussagen nicht getroffen werden. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Tics oftmals durch Stress oder andere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden. Genetische Anlagen scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen.

3. Tic Störungen verschwinden oft von selbst

Silhouette eines Kopfes mit dem englischen Wort Ticstörung

Oftmals sind Tics bei Kindern ein vorübergehendes Phänomen.

Ob es sich nur um motorische oder vokale Tics – oder sogar eine Mischung aus beiden Formen – handelt, spielt keine Rolle. Oft zeigen Kinder diese Angewohnheit nur für eine bestimmte Zeit. Tic-Störungen halten im Durchschnitt zwischen 4 bis 12 Monate an. Danach sollten sich Kinder das Verhalten von alleine abgewöhnen.

Entwickelt sich also ein Tic bei Ihrem Kind, ist das erstmal kein Grund zur Panik. Oft sind sie harmlos und wirken sich nicht weiter auf die Gesundheit Ihres Kindes aus.

Lassen Sie Ihrem Kind Zeit und vertrauen Sie darauf, dass die Tics eine vorübergehende Erscheinung sind. Sie sollten aber das Kind immer beobachten und gegebenenfalls individuell entscheiden. Sofern Sie das Gefühl haben, dass der Leidensdruck bei Ihrem Kind besonders groß ist – beispielsweise durch das Verhalten von Mitschülern oder Freunden – dann ist es durchaus ratsam, frühzeitig einzugreifen.

4. Der richtige Umgang mit Tics bei Kindern 

Fakt ist, dass die meisten Tics vorübergehend sind und von alleine wieder verschwinden. Nur selten entwickeln sich Tics zu ernsthaften Störungen wie Tourette oder anderen Krankheiten. Das Abgewöhnen der Tics sollte bei Eltern nicht im Vordergrund stehen. Machen Sie sich auf jeden Fall bewusst, dass Tics bei Kindern keinesfalls als böse Absicht zu verstehen sind. Betroffene leiden unter den Tics wesentlich mehr und sind nicht in der Lage, die Bewegungen oder Laute auf Dauer zu unterdrücken. Seien Sie daher besonders nachsichtig und liebevoll, um Ihrem Kind ein gutes Gefühl zu vermitteln. So können Sie Ihr Kind unterstützen:

  • Akzeptanz:
    Akzeptanz ist tatsächlich ein entscheidender Faktor. Behandeln Sie das Kind ganz normal und vermitteln sie ihm das Gefühl, dass es auch mit seiner Eigenart vollkommen in Ordnung ist. Sie müssen darauf achten, dass das Kind von außen nicht verunsichert wird und das Gefühl bekommt, dass seine Verhaltensweisen schlecht oder falsch wären.
  • Verständnis schaffen:
    Achten Sie unbedingt auf das Umfeld. Bemerken Sie, dass Freunde, Verwandte oder Klassenkameraden kritisch reagieren, sollten Sie sofort eingreifen. Es ist ein großes Problem, wenn das Kind aufgrund seiner Tics gehänselt wird. Das sollten Sie unbedingt verhindern, da sich die Tics sonst zu einem ernsthaften Syndrom entwickeln könnten.
  • Stress reduzieren:
    Es ist nicht selten der Fall, dass die Tics erst durch Stress verursacht werden. Sobald die Tics erst einmal da sind, werden sie durch zusätzlichen Stress aber definitiv verschlimmert. Sorgen Sie daher dafür, dass die Stresssituationen reduziert werden und verschaffen Sie Ihrem Kind eine sichere und stressarme Umgebung.
  • Keine Verbote:
    Tics bei Kindern können sehr anstrengend sein und Sie wollen Ihrem Kind die unkontrollierten Bewegungen und Laute garantiert schnellstmöglich abgewöhnen. Verzichten Sie aber auf Verbote. Das verursacht bei Ihrem Kind nur unnötigen Druck. Schlimmstenfalls führt das sogar zu einer Verschlimmerung der Symptome.

5. Verschwindet der Tic nicht, sollten Sie zum Arzt

Tisch mit Arztutensilien und Tablett mit der Diagnose Tourette

Harmloser Tic oder Tourette? Manchmal ist der Gang zum Arzt unvermeidbar.

Es ist im Einzelfall zu entscheiden, wann der Gang zum Arzt nicht mehr zu vermeiden ist. Tics bei Kindern sind keine Seltenheit und glücklicherweise verschwinden die Zwänge in den meisten Fällen von alleine.

Wenn jedoch die Störung über ein halbes Jahr besteht und sich keinerlei Verbesserungen einstellen, sollten Sie darüber nachdenken, einen Arzt aufzusuchen. Dann ist das Problem wahrscheinlich chronisch oder es gibt eine spezielle Ursache.

Der Arzt wird das Kind untersuchen und kann so herausfinden, ob eine Krankheit wie Tourette oder ADHS hinter den Tics steckt. Sie können aber davon ausgehen, dass Tics bei Kindern heilbar sind, wenn Sie sich für die richtige Behandlung entscheiden.

6. Therapie und Behandlung von Ticstörungen 

Unter Umständen kann es nötig sein, dass Sie die Tics behandeln lassen müssen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wenn Tics bei Kindern festgestellt werden. Sofern der Leidensdruck bei Eltern und Kind sehr hoch ist, bietet es sich an, eine Verhaltenstherapie zu beginnen. Vordergründig wird das Kind bei dieser Therapie lernen, mit seinen Zwängen umzugehen und wieder Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen.

Neben dem Umgang mit den Tics ist das Ziel, sich die unkontrollierten Bewegungen oder Laute auf Dauer abgewöhnen zu können. Medikamente sind nur in sehr seltenen Fällen notwendig. Bei sehr ausgeprägten Tic-Störungen ist eine medikamentöse Behandlung ratsam, um den Leidensdruck zu minimieren.

Eine sinnvolle Alternative ist die Homöopathie. Sie können Ihr Kind bei einem Homöopathen behandeln lassen, der einen individuellen Therapieplan aufstellt und Medikamente wie Bachblüten in Form von Globuli, Tee oder Spray verordnet. Homöopathie hat den Vorteil, dass es sich um eine sanfte und natürliche Therapie handelt.

7. Weiterführende Literatur zu Tics bei Kindern

Ratgeber Tics: Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher
  • Manfred Döpfner, Veit Roessner, Katrin Woitecki, Aribert Rothenberger
  • Herausgeber: Hogrefe Verlag
  • Auflage Nr. 12010 (07.07.2010)
  • Taschenbuch: 39 Seiten

Mein Kind hat Tics und Zwänge. Erkennen, verstehen und helfen beim Tourette-Syndrom
  • Aribert Rothenberger, Angela Scholz
  • Herausgeber: Vandenhoeck & Ruprecht
  • Auflage Nr. 32006 (01.01.2006)
  • Taschenbuch: 222 Seiten

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