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Ostprodukte bedeuten nicht gleich Ostalgie
Wenn in Bayern Oktoberfest gefeiert wird und Weißwurst, Obatzter und Weißbier Hochkonjunktur haben oder im Ruhrpott Karneval gefeiert wird und es die dazu passenden Produkte in den Regalen gibt, dann gehört das zur Identität der Menschen. Sie halten an liebgewordenen Traditionen und traditionellen Lebensmitteln und Marken fest. Allein aus ökonomischen Gründen werden Produkte, die in der Region produziert werden, in Supermärkten und Läden verkauft.
Wenn in den Medien über die neuen Bundesländer berichtet wird, dann wird das Festhalten an eigenen Produkten und Marken manchmal abwertend als „Ostalgie“ bezeichnet. Obwohl es ebenfalls eine Form von Identität vermittelt. Es gibt natürlich regionalspezifische Produkte und Gerichte, wie die Thüringer Bratwurst oder den Dresdner Striezel, die wirklich traditionell sind. Aber auch Produkte, die jeder in der DDR kannte, haben genau deswegen einen hohen Widererkennungswert und sind immer noch sehr beliebt.
Man denke nur an die Ampelmännchen, die mittlerweile im ganzen Bundesgebiet bekannt sind. Sie sind geradezu ein Vorzeigeobjekt, wenn es um Ostprodukte geht. Viele typische Ostprodukte sind kurz nach der Wende vom Markt verschwunden und wurden auf Grund der Schwemme von neuen Produkten aus dem Westen so recht von niemandem vermisst. Bis einigen Leuten klar wurde, dass mit ihnen ein Stück Identität und Lebensqualität verloren ging. Denn nicht alle Produkte waren den westdeutschen Produkten in punkto Qualität unterlegen. Man nenne nur Spee, Hallorenkugeln, Grabower Küsschen oder Rotkäppchen Sekt – alles Erfolgsprodukte über die neuen Bundesländer hinweg.
Im Osten der Republik kehrten die typischen Produkte relativ schnell in die Geschäfte und Regale zurück. Bei den Vorzeigeprodukten läuft die bundesweite Vermarktung relativ gut. Aber selbst siebzehn Jahre nach der Wende kann man Produkte, die in den neuen Bundesländern jeder kennt, in den alten Bundesländern nicht finden. Andersherum gibt es aber regionalspezifische Westprodukte, wie das Getränk Almdudler, im Osten zu finden.
Als von den Leuten Anfang der Neunziger wieder Ostprodukte gefordert wurden, waren einige Produkte wie Zetti Knusperflocken oder die Schlager Süsstafel gar nicht mehr hergestellt worden. Da aber eine Nachfrage bestand, wurden sie erneut produziert, manchmal von einem neuen Hersteller, wie zum Beispiel das Waschmittel Spee, das jetzt zum Hause Henkel gehört, aber auch durch die ursprünglichen Hersteller, wie die Hallorenkugeln, die es jetzt in einer großen Variantenvielfalt gibt, neben dem Klassiker Sahne Kakao.
Im Zuge der Kommerzialisierung haben sich viele Hersteller „Ostalgie“ selbst auf die Fahnen geschrieben, so dass man diese Wortschöpfung wohl nicht mehr als Schimpfwort verwenden kann.
Um die Nachfrage zu befriedigen haben sich recht schnell Versandfirmen gebildet, die ihre Ostprodukte in alle Welt versenden. Ein relativ neuer, aber empfehlenswerter Anbieter ist der Onlineshop für Ostprodukte Meinosten.de. Im Angebot ist alles, was auch nur entfernt an die DDR erinnert, also nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung im Retro-Look oder mit Bildern und Schriftzügen. Dann gibt es Kinderbücher, Spiele, Modellbausätze und DEFA-Spielfilme auf DVD.
Eine besonders schöne Idee, die man mit diesem Shop verwirklichen kann, ist das so genannte Ostpaket. Analog zum Westpaket, das zu DDR-Zeiten zwischen Verwandten von West nach Ost ging, ist das Ostpaket gefüllt mit den bekanntesten und beliebtesten Ostprodukten. Ein witziges Geschenkpaket, über das man sich nicht nur im Osten freut.
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