Kinder zu mehr Hausarbeit motivieren

Kinder zu mehr Hausarbeit motivieren

Das Thema Hausarbeit ist spätestens in der Pubertät ein Problem zwischen Eltern und ihren Kindern. Dabei könnten sich manche Eltern bei der Kindererziehung enormen Stress ersparen, wenn sie bestimmte Maßnahmen schon früh treffen und ihre Kinder zur Hausarbeit motivieren.

Kinder sind zur Hausarbeit verpflichtet

Rechtlich gesehen liegen Eltern mit ihrer Forderung zur Mithilfe ihrer Sprösslinge an Haushaltsarbeiten auf der sicheren Seite. Im Bürgerlichen Gesetzbuch sind im Paragraph 1619 BGB die Rechte und Pflichten von Kindern gegenüber Eltern vermerkt. Er lautet wie folgt:

Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.

Inwiefern dieser Paragraph 1619 BGB Eltern aber zu mehr Mitarbeit im Haushalt und der Erledigung der Pflicht Aufgaben verhilft, sei dahin gestellt. Welche Eltern würden schon gegen ihre Kinder Klage erheben. So bliebe das Argument, das den Eltern mit diesem Paragraphen in die Hand gegeben wird, nur eine leere Drohgebärde oder eine Merkwürdigkeit, die aus der preußischen Rechtsprechung des 19. Jahrhunderts übrig geblieben ist. Eines sollte jedem Elternteil klar sein: leere Drohungen sind im Umgang mit Kindern kein Weg die elterlichen Interessen durchzusetzen. Viel effektiver ist es, wenn Sie durch Anreize und Belohnungen Ihre Kinder zur Hausarbeit motivieren.

Tipp
Zu Anfang sollten die Aufgaben zeitlich kurz bleiben, da monotone und langwierige Arbeit die Aufmerksamkeitsspanne von kleinen Kindern überfordert.

Kinder sollten schon früh in die täglichen Arbeiten miteinbezogen werden

Die ersten Schritte zur Mithilfe im Haushalt sollten schon früh unternommen werden. Kinder können schon mit vier oder fünf Jahren kleine Aufgaben übernehmen und in die Hausarbeit miteinbezogen werden. Versuchen Sie Ihr Kind z.B. beim Tisch decken oder Unkraut zupfen im Garten mit einzubeziehen. In diesem Alter ist die Hilfsbereitschaft von Kindern sehr groß. Außerdem finden sie in den übertragenen Aufgaben Bestätigung und entwickeln Selbstbewusstsein, wenn Sie in die alltäglichen Aufgaben im Haushalt mit einbezogen werden. Deshalb müssen Eltern ihre Kinder bei diesen Sachen besonders loben. Allerdings dürfen die übertragenden Aufgaben das Kind nicht überfordern, da sonst das Erfolgserlebnis ausbleibt. Gehen Sie die Aufgaben möglichst zusammen mit Ihrem Kind an. Wenn Sie zum Beispiel Staub wischen, können Sie kleinere Kinder einspannen, um die unteren Schränke abzuwischen, während man selbst die höheren Stellen wischt. Auch Aufgaben wie Aufräumen können so spielerisch angegangen werden. Mit Musik wird das Ganze noch ein wenig kurzweiliger. Wenn sogar ständig wiederkehrende Arbeit mit Spaß verbunden wird, fällt es leichter, die Kinder zur Mitarbeit zu bewegen.

Jüngere Kinder brauchen mehr Zeit als ältere Kinder

Manchmal haben Eltern das Gefühl, dass Kinder nicht sofort hören, wenn es heißt, räum dein Zimmer auf. Bei kleineren Kindern sollte man zugestehen, dass sie sich nur langsam von ihrem Spiel loslösen können. Räumen Sie ihnen daher etwas mehr Zeit ein, als vielleicht älteren Kindern.

Die Aufgaben wachsen mit dem Kind mit

Mit zunehmendem Alter kann man Kinder mit mehr bzw. anspruchvolleren Aufgaben betrauen und den Haushaltsplan familiengerecht anpassen. Allerdings sollte man darauf achten sie nicht zu überfordern, darunter leidet die Motivation. Spätestens wenn die Kinder zur Schule kommen, muss man als Eltern zugestehen, dass Schule, Schularbeiten, Spielen und mit Freunden zusammen sein viel Zeit des Kindes einnehmen. Die Pflicht Aufgaben sollten also auch zeitlich in den Alltag des Kindes passen.

Aufgaben, die man Grundschulkindern bedenkenlos übertragen kann, sind beispielsweise das Kinderzimmer aufräumen, schmutzige Wäsche einsammeln, sich um Haustiere kümmern, Tisch decken, den Briefkasten leeren, einfache Reinigungsaufgaben oder Handlangerdienste für die Eltern. Außerdem empfiehlt es sich immer, nach dem Kochen mit Kindern mit ihnen gemeinsam abzuwaschen und die Kinder Spülmaschinen ausräumen zu lassen. Voraussetzung bei den häuslichen Tätigkeiten ist, dass sie die Kinder motivieren und nicht gefährlich sein dürfen.

Mein Kind an der Aufgabenverteilung beteiligen

Spätestens in der Schulzeit sollten Eltern gemeinsam mit den Kindern über die Aufgabenverteilung im Haushalt entscheiden. Dabei empfiehlt es sich, einfach eine Checkliste haushaltsnaher Aufgaben in Form eines Putzplans zu erstellen (Putzplan Vorlagen finden Sie zu Genüge im Internet). Danach sucht sich als erstes jeder Aufgaben aus, die ihm Spaß machen, bevor dann die unbeliebten Aufgaben aufgeteilt werden. Wenn Sie nach Haushaltsplan putzen, können Sie damit eine Ungleichbehandlung vermeiden. So ist jeder einmal mit unangenehmen Aufgaben dran. Gemeinsam einen Putzplan erstellen kann Kind und Eltern gleichermaßen motivieren, die Aufgaben der Familie zu erledigen. Der Putzplan sollte regelmäßig ausgewertet und aktualisiert werden. Dabei kann man auch mal Sternchen für sehr gut gemachte Aufgaben verteilen und mit zunehmender Routine den Putzplan familiengerecht erweitern.

Besonders für Kinder im Grundschulalter sind diese kleinen Belohnungen sehr motivierend, da sie ein ähnliches Verfahren bereits aus der Schule kennen.

Bei älteren Kindern oder gar Jugendlichen ist diese Art Konkurrenz allerdings nicht mehr so wirksam und die Mitarbeit sollte zum alltäglichen Ritual gehören. Arbeiten wie Wäschewaschen, Abwaschen, das Kochen mit Kindern und mal auf kleinere Geschwister aufpassen ist für Fünfzehn- oder Sechzehnjährige nicht zu viel verlangt. Was das Jugendzimmer angeht, sollten Eltern versuchen, über Chaos hinweg sehen zu können. Stapelt sich zum Beispiel schmutzige Wäsche im Zimmer, einfach darauf hinweisen, dass der Wäschekorb kinderleicht zu befüllen ist und Zimmer aufräumen mal wieder auf der Tagesordnung stehen sollte. Tun Sie es nicht einfach selbst. Solange Jugendliche ihr kreatives Chaos nicht auf die gesamte Wohnung ausdehnen und auch sonst im Haushalt mit helfen, sollte man versuchen es zu tolerieren, anstatt ständig herum zu nörgeln.

Anforderungen in der Schule und häusliche Pflichten können überfordern

Da in der Regel in höheren Klassenstufen die Anforderungen an die Jugendlichen steigen, muss der Anteil an der Hausarbeit aber übersichtlich bleiben. Ein Anzeichen, dass die Arbeit Zuhause zusätzlich zu Schule und Hausaufgaben zu viel ist, kann sein, dass verteilte Arbeit über längere Zeit plötzlich unerledigt bleibt, die vorher ohne Probleme erledigt werden konnte. Sprechen Sie mit ihrem Kind und Sie werden schnell herausfinden, ob es überfordert ist.

Tipp
Da kleine Kinder auf gut zu reden nicht immer reagieren, empfiehlt es sich, sie abzulenken und so zu beruhigen.

Klare Regeln für jüngere Kinder

Bei kleineren Kindern, denen das Chaos irgendwie in jeden Raum folgt, sollte man bei der Kindererziehung klare Regeln aufstellen. Man kann ihnen zwar nicht das Spielen außerhalb des Kinderzimmers verbieten, aber man kann darauf bestehen, dass das Spielzeug nach Gebrauch wieder dahin verschwindet, bevor es erst einmal seinen festen Platz im Wohnzimmer gefunden hat. Natürlich testen Kinder ihre Eltern und es gibt Trotzphasen, in denen man sich auf den Kopf stellen kann. Wichtig ist aber, dabei die Ruhe zu bewahren und beim Haushalt organisieren konsequent zu bleiben. Nur so schaffen Sie die Motivation zum Aufräumen.

Spürbare Konsequenzen für ältere Kinder

Auch Jugendliche testen ihre Eltern durch Verweigerung. Hier konsequent zu sein, heißt nicht, das Taschengeld zu kürzen. Stattdessen sind aber Fernseh- und Computerverbot, das Kappen des Internetanschlusses oder Handyverbot Konsequenzen, die vielen Jugendlichen weh tun. Die Voraussetzung für eine wirksame Konsequenz ist, dass diese durchsetzbar sein muss. Außerdem sollte über die möglichen Konsequenzen schon im Vorfeld diskutiert werden. Was ist nach Meinung des Jugendlichen angemessen? Wenn diese vorher festgelegt sind, spart man sich endlose Streitereien.

Mit einem Belohnungssystem Kindererziehung bereichern

Anerkennung von Leistungen im Haushalt steigern die Motivation, sollten aber nicht über das Taschengeld erfolgen, allenfalls mal mit einem Kinobesuch außer der Reihe oder einer besonderen Unternehmung. Im besten Falle wird durch die Arbeitsverteilung nämlich auch Zeit für Unternehmungen gewonnen. Ansonsten sollte man Anerkennung mit einem Lob zollen, damit Ihre Kinder mit Motivation aufräumen.

Was Sie im Hinterkopf behalten sollten: „Wenn ich die von mir aufgestellt Regeln auch selbst einhalten, wird mein Kind schnell merken, dass Hausarbeit nichts Schlimmes ist.“ und Ihnen auch ohne Verweis auf den ominösen BGB Paragraph 1619 helfend zur Hand gehen.“ Seien Sie ein Vorbild für Ihre Kinder und haben Sie vor allem Geduld. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn Sie Ihre Kinder zur Hausarbeit motivieren können, sparen Sie sich selbst viel Arbeit und Ihre Kinder werden auch im Erwachsenenalter ohne Probleme einen eigenen Haushalt führen können. Vielleicht können Sie sich später von Ihnen sogar ein paar Haushaltstipps abgucken!


Bildnachweise: © Konstantin Yuganov - Fotolia.com

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