Für an Demenz erkrankte die Wohnung anpassen – 27 Tipps

Für an Demenz erkrankte die Wohnung anpassen – 27 Tipps

Trotz der Diagnose Demenz können Erkrankte in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Vorausgesetzt natürlich, die Wohnung wird Schritt für Schritt der Krankheit angepasst.

Was im Kinofilm „Honig im Kopf“ von Til Schweiger als niedlich und teilweise sehr lustig dargestellt wurde, ist für Betroffene eine traurige Angelegenheit. Immer mehr ältere Menschen leiden an der nicht heilbaren Alzheimerkrankheit – Tendenz steigend.

Die Krankheit kommt nicht von heute auf morgen, es ist ein schleichender Prozess. Angefangen mit kleinen Vergesslichkeiten bis hin zu, das man die eigenen Angehörigen nicht mehr erkennt. Ungern möchte man die Erkrankten aber auch aus ihrem gewohnten Umfeld reißen, einem Umfeld, dass ihnen Sicherheit und Geborgenheit gibt und an dem viele Erinnerungen hängen.

Viele Experten raten, an dem Wohnungsumfeld nicht viel zu verändern, eben um das Verwirren nicht noch zu verstärken. Ganz ohne Umbaumaßnahmen und einer gewissen Anpassung an die Krankheit geht es dann aber leider doch nicht.

Räume anpassen und Gefahrenquellen entfernen

Bevor Sie die Wohnungsanpassung in Angriff nehmen, sollten Sie daran denken, dass der Erkrankte keinesfalls ein Pflegefall mit Bettpflicht ist. Sperren Sie den Patienten nicht ein, aus Angst er könnte sich verletzen oder verschwinden. Das Ziel sollte sein, so normal weiter zu leben, wie möglich.

Treppen- und Eingangsbereich absichern

  • Demenzkranke haben einen erhöhten Bewegungsdrang. Nicht selten kommt es vor, dass sie „weglaufen“. Oft passiert es sogar, dass sie den Weg nach Hause nicht mehr finden. Es ist daher ratsam, die Haustüren zu „verstecken“. Die einfachste Möglichkeit sind hier große Wandvorhänge. Sie können aber auch die Tür im gleichen Farbton der Wand streichen, so ist die Haustür nicht mehr ganz so offensichtlich.

    » Vorsicht: Beobachten Sie die Reaktionen des Erkrankten. Im schlimmsten Fall könnte dieser sich auch Zutritt durch ein Fenster nach draußen verschaffen.

    Es gibt auch spezielle Warnsysteme, die einen Signalton abgeben, wenn der Betroffene das Haus verlässt.

  • Oft ist es in Fluren sehr dunkel. Damit die Orientierung nicht verloren geht, sollten Sie für ausreichend Lichtquellen sorgen. Am besten so, dass sich nicht zu viele Schatten bilden. Der Erkrankte könnte sonst denken, dass er verfolgt wird. Am besten eignen sich hier Bewegungsmelder.
  • Am einfachsten ist das Leben mit einem Demenzkranken auf ebenen Flächen. Manchmal lässt sich dies aber nicht vermeiden und somit bieten Treppen ein erhöhtes Unfallrisiko. Bei Erkrankten, die noch relativ gut zu Fuß unterwegs sind, ist es wichtig, dass sie rechts und links eine Möglichkeit haben, sich festzuhalten. Es gibt aber auch schon spezielle Treppenlift-Lösungen, die individuell auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können (gesehen auf www.garaventalift.de). Der Einsatz von Treppenliften muss natürlich von Fall zu Fall entschieden werden. Es besteht sogar die Möglichkeit für diese Investition einen Zuschuss der Pflegeversicherung zu bekommen (geregelt im §40 Abs. 4 SGB XI – Pflegegesetz)

In der Küche eine bessere Orientierung schaffen

Neben dem Bad gehört die Küche wohl zu den gefährlichsten Orten in der Wohnung. Nicht richtig aufgepasst, kann sich der Betroffene nicht nur selbst einer Gefahr aussetzen, sondern auch die Menschen in der näheren Umgebung. Besonders hier sind also bestimmte Sicherheitsvorkehrungen unerlässlich.

  • Bei Schränken die Türen entfernen oder Glastüren einsetzen, um die Orientierung zu erleichtern.
  • Kaffeemaschine, Wasserkocher, etc. mit Abschaltaumatik
  • Am Herd automatische Abschaltung einbauen lassen (hier erhältlich) oder Zeitschaltuhr anbringen
  • Geschirr und Utensilien auf das Nötigste verringern
  • Chemikalien und Reinigungsmittel versteckt aufbewahren
  • Besonders bei Frauen ist die Küche ein Rückzugsort. Schaffen Sie hier eine kleine Ecke zum Sitzen mit kleinen Erinnerungsstücken.
  • Bauen Sie in die Küchenarmatur einen Temperaturbegrenzer ein, um den Betroffenen vor dem Verbrühen zu schützen. Auch eine automatische Wassersperre kann hier sinnvoll sein.

Das Bad ist der Unfallort Nummer 1

Das Bad ist der Raum, in dem die meisten Unfälle passieren. Daher ist es enorm wichtig, dass Sie hier alles der Krankheit entsprechend optimieren.

  • Zuerst einmal sollten Sie die Schlüssel verstecken, sodass sich der Erkrankte nicht allein im Bad einschließen kann. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Badezimmertür nach außen hin geöffnet wird. So können Sie im Notfall die Tür auch von Außen öffnen und entsprechende Hilfe leisten. Es gibt auch spezielle Schlösser, die sich von außen mit einem Euro-Stück oder einem anderen Hilfsmittel öffnen lassen.
  • Wenn die Mobilität nachlässt, sind eine bodentiefe Dusche, rutschfeste Fliesen und Haltegriffe an WC und Dusche unerlässlich. Diese am besten in kontrastreichen Farben montieren. So heben sie sich ab und sind für den Erkrankten leichter zu sehen.
  • Um dem Demenzkranken den Toilettengang zu erleichtern, ist es hilfreich eine Erhöhung der Toilette vorzunehmen. Alternativ hilft auch ein Toilettensitz. Mit dieser Erhöhung kann der Erkrankte sich leichter hinsetzen und auch wieder aufstehen.
  • Ganz wichtig sind im Bad auch Temperaturbegrenzer für die Armatur. Leichter kommen Demenzkranke mit den früher gewöhnlichen Zweigriff-Armaturen klar, im Gegensatz zu den heute verwendeten Einhebelmischern. Weiterhin empfehlenswert ist ein Überlaufschutz an Dusche, Badewanne und Waschbecken. Ein schwimmendes Bad im Mietshaus kann nicht nur für die eigene Wohnung ein Problem darstellen, sondern auch für darunterliegende Wohnung.
  • Putzmittel, Hygieneartikel und Medikamente unbedingt verschlossen aufbewahren.
  • Die täglich benötigten Hygieneartikel sollten so gering wie möglich vorhanden sein. Eine Zahnbürste, eine Tube Zahnpasta und eine Cremedose reichen völlig aus. Umso mehr der Erkrankte vor sich stehen hat, umso verwirrter ist er früher oder später.

Das Wohnzimmer demenzgerecht einrichten

Das Wohnzimmer ist oft der Hauptaufenthaltsort in einer Wohnung und sollte es auch für die Erkrankten bleiben. Aber auch hier lauern Unfallquellen und Stolperfallen.

  • Gestalten Sie das Wohnzimmer in hellen Farben, um ausreichend Licht hinein zu bekommen. Auch der Bodenbelag sollte alters- und krankengerecht verlegt werden.
  • Verstecken Sie Elektrokabel hinter Leisten oder Möbel, um mögliche Stolperfallen zu vermeiden.
  • Richten Sie einen Ruhe und Entspannungsraum ein. Laute Geräusche wie Fernseher und Radio können dem Erkrankten Angst machen. Entscheiden Sie hier aber individuell. Demenzkranke erinnern sich meist noch an die guten alten Röhrenfernseher und kommen mit der Bedienung besser klar. Wenn dies der Fall ist, sollten Sie der betroffenen Person diese Erinnerung auch so erhalten, auch wenn Sie einen Flachbildschirm schöner und platzsparender finden.
  • Giftige Pflanzen sollten Sie unbedingt aus der Wohnung verbannen.
  • Demenzerkrankte kommen mit der neuen Technik selten richtig klar. Um auch im Notfall reagieren zu können, sollten Sie das normale Telefon oder Handy durch ein seniorengerechtes Telefon mit großen Tasten austauschen. In vielen Fällen kommen die Erkrankten trotz der eigentlich schweren Bedienung auch mit einem Telefon mit Wählscheibe besser klar.

Das Schlafzimmer zweckmäßig ausstatten

Das Schlafzimmer sollte eher praktisch als besonders schön hergerichtet werden. Auch hier spielen die richtigen Lichtverhältnisse eine wichtige Rolle. Auch wenn das Schlafzimmer nur klein und fein ist, auf Sicherheit ist auch hier zu achten.

  • Für nächtliche Toilettengänge ist es am besten, wenn sich ein Bewegungsmelder in der Nähe des Bettes befindet. So verhindern Sie, dass der Erkrankte möglicherweise umherirrt und sich irgendwo verletzt.
  • Das Bett sollten Sie optimal der Größe anpassen, damit Hinlegen und Aufstehen nicht zum, Problem werden. Ein angebrachter Bettgalgen kann zusätzlich unterstützen.
  • Im und um das Bett herum sollte ausreichend Platz sein.
  • Richten Sie den Kleiderschrank einfach ein. Pro Fach nur eine Kleidersorte und dann auch nur wenige Stücke. Außerdem können Sie auch hier die Türen entfernen oder durch Glastüren ersetzen, um dem Erkrankten die Orientierung zu erleichtern.
  • Vorsicht bei Rauchern! Achten Sie auf schwer entflammbare Bettwäsche (gefunden auf www.atmolon.de). Auch Rauchmelder sind hier unverzichtbar.
  • Für Notfälle sollte ein Toilettenstuhl oder ein Nachttopf bereit stehen.

Die Orientierung ist mit das größte Problem bei Alzheimer und das auch in der Wohnung, in denen sie schon jahrelang leben. Um ihnen das Leben zu erleichtern, können kleine Piktogramme an der Tür daran erinnern, was sich hinter der Tür befindet. Eine große Auswhal zum sofort Ausdrucken finden Sie unter www.wegweiser-demenz.de.


Bildnachweise: © highwaystarz - Fotolia.com

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